
Als ich den BL-1001 erstmals betrachtete, wurde deutlich, dass es sich um einen technisch bemerkenswerten Plattenspieler handelt, in dem konstruktive Lösungen aus verschiedenen Micro-Modellen – darunter DD-100, BL-51, BL-101 und BL-111 – zusammengeführt wurden.
Zusätzlich wurden für den BL-1001 spezifische, eigenständige Lösungen entwickelt, die von den Micro-Ingenieuren gezielt auf dieses Modell abgestimmt wurden. Diese Kombination aus bewährten und neu entwickelten Konstruktionselementen verleiht dem BL-1001 eine besondere Stellung innerhalb seiner Geräteklasse.
Die verfügbare Informationslage zum BL-1001 ist äußerst begrenzt. Gerade dieser Umstand steigert das Interesse an diesem Modell erheblich. Auf dem Gebrauchtmarkt erscheint der BL-1001 nur selten, und die angebotenen Exemplare befinden sich überwiegend in einem restaurierungsbedürftigen Zustand.
Aus diesem Grund wurde bei der vorliegenden Darstellung bewusst von der bisherigen Vorgehensweise abgewichen. Neben der Beschreibung von Konstruktion und technischen Lösungen wird ein besonderer Schwerpunkt auf die durchgeführten Renovierungsarbeiten gelegt.



Der BL-1001 ist ein Plattenspieler mit Riemenantrieb. Die Kraftübertragung vom Motor auf den Plattenteller erfolgt indirekt über eine massive Unterplatte mit einem Durchmesser von 180 mm und einem Gewicht von 1.630 g.
Diese Unterplatte ist äußerst präzise gefertigt und besteht aus einer Zinklegierung. Mit einer Materialstärke von 27 mm stellt sie ein konstruktiv aufwendiges Bauteil dar, das in der heutigen, von Kunststoff geprägten Fertigung nur noch selten anzutreffen ist.



Der Plattenteller hat einen Durchmesser von 400 mm, besteht aus einer Aluminiumlegierung und weist ein Gewicht von 4.900 g auf.
Bemerkenswert ist die konstruktive Ausführung, bei der der Plattenteller über drei Schrauben formschlüssig mit der Unterplatte verbunden ist. Zusätzlich verfügt der Plattenteller über eine eingepresste Bronzehülse, über die er auf der Lagerachse montiert wird. Diese Lösung gewährleistet eine präzise Führung sowie eine dauerhaft stabile Lagerung.


Der Antrieb des Plattenspielers erfolgt über einen DAX-IOA IPM DC-Servomotor aus dem Matsushita-Konzern. Dieser Motortyp wurde auch in den Plattenspielern Micro BL-111 und Micro SX-777 sowie im Spitzenlaufwerk Luxman PD-555 eingesetzt.
Die Verwendung dieses Motors unterstreicht den hohen konstruktiven Anspruch des BL-1001, da es sich um einen bewährten, laufruhigen und drehmomentstarken Antrieb handelt, der nur für den Einsatz in hochwertigen Laufwerken konzipiert wurde.


Eine schwere Resonanzplatte mit einem Gewicht von über 2 kg verbindet das Plattentellerlager direkt mit dem Motor. Die Platte ist aus Messingdruckguss gefertigt und bildet das zentrale konstruktive Element dieses Antriebssystems.
Das gesamte System aus Motor, Plattentellerlager und Resonanzplatte ist starr aufgebaut und wird mittels Schrauben direkt mit dem Chassis verschraubt. Diese Ausführung stellt eine für Micro ungewöhnliche, nahezu einzigartige Lösung dar.
Zwar setzten die Micro-Ingenieure auch bei anderen Modellen Resonanzböden ein, jedoch dienten diese dort in der Regel zur Kopplung des Plattentellerlagers mit der Tonarmbasis – beispielsweise beim BL-81 oder BL-111 – und nicht zur direkten Verbindung zwischen Lager und Motor, wie es beim BL-1001 realisiert wurde.

Das Plattentellerlager ist – ähnlich wie bei den Modellen BL-51, BL-71, BL-77, BL-81 und BL-91 – als permanent in Getriebeöl getauchtes Hybridlager ausgeführt. Dieses von Micro entwickelte und patentierte Lagersystem gewährleistet einen äußerst gleichmäßigen und präzisen Lauf.
Der Ölwechsel ist konstruktiv einfach realisiert. Nach dem Entfernen des Sicherungsstifts an der Unterseite können die Dichtungsplatte sowie die Druckplatte entnommen werden. Die Dichtungsplatte verfügt über eine integrierte Laufbahn aus Silizium-Zirkonium, in der sich die Lagerkugel selbsttätig zentriert. Nach dem Ölwechsel muss die Kugel lediglich in die entsprechende Aussparung auf der Lagerachse eingelegt werden.
Als Schmiermittel wird herkömmliches mineralisches Getriebeöl mit der Spezifikation 80W90 verwendet.

Der Micro BL-1001 ist – ähnlich wie das Modell DD-100 – mit einem MA-505 L Tonarm in 12-Zoll-Ausführung ausgestattet. Diese Version verfügt über eine spezielle Tonarmbasis, in die ein System zur Impedanz- und Kapazitätsanpassung integriert ist. Eine detaillierte Erläuterung dieses Systems erfolgt im entsprechenden Kapitel zum Micro DD-100.
Der einzige konstruktive Unterschied zum beim DD-100 eingesetzten Tonarm betrifft den Tonarmlift. Beim Modell BL-1001 kommt ein standardmäßiger hydraulischer Lift zum Einsatz, wie er bei den universellen MA-505-Varianten üblich ist. Beim DD-100 hingegen wird ein mechanischer Lift verwendet, der dort serienmäßig verbaut ist (siehe Abbildung rechts unten).





Die Füße des Plattenspielers weisen eine konstruktiv interessante Ausführung auf, die an Lösungen erinnert, wie sie von den Micro-Ingenieuren bei den Luxman-Plattenspielern der Spitzenklasse eingesetzt wurden, insbesondere bei den Modellen PD-441, PD-444 und PD-555.
Beim BL-1001 basiert die Konstruktion der Gerätefüße auf einem kombinierten System aus Stahlfeder und Gummidämpfer, das eine wirksame mechanische Entkopplung des Chassis von der Aufstellfläche ermöglicht.

Die Füße des BL-1001 arbeiten auf Basis zweier unabhängiger Schwingungskompensationssysteme. Im oberen Teil ist eine klassische Stahlfeder integriert, die jedoch nur einen Teil der Dämpfung übernimmt. Im unteren Bereich ruht die Feder auf der Oberfläche eines Gummikolbens, der sich innerhalb eines zylinderförmigen Fußgehäuses bewegt.
Dieses Zusammenspiel sorgt für eine sehr sanfte und wirkungsvolle Aufhängung des Plattenspielers. Zusätzlich befindet sich im oberen Teil des Fußgehäuses eine Justierschraube, mit der die Federspannung eingestellt werden kann. Dadurch lässt sich der Arbeitsbereich der Füße präzise auf die gewünschte Höhe einstellen.


Ein möglicher Nachteil der Füße liegt, aus ästhetischer Sicht, in ihrer Erscheinung. Bei meinem BL-1001-Exemplar habe ich entschieden, das Aussehen leicht zu optimieren. Ziel war es, die Optik dem des Modells MSB-100 anzugleichen.
Hierzu wurden zwei zusätzliche Aluminium-Elemente gefertigt:
- Eine runde Fußunterlage mit einem Durchmesser von 106 mm, die auf der Unterseite mit rutschfestem Gummi versehen ist.
- Eine äußere Abdeckung in Form eines Rings mit einem Durchmesser von 110 mm, die das Fußgehäuse elegant verkleidet.



Das Chassis des BL-1001 misst 535 × 420 × 100 mm und weist im Vergleich zu anderen Micro-Modellen einen eigenständigen Aufbau auf. Es handelt sich erneut um ein schichtweise aus MDF-Platten aufgebautes Chassis, jedoch wurden im Gegensatz zu manchen anderen Modellen keine zusätzlichen Bleischichten verwendet.
Das Chassis besteht aus vier MDF-Schichten, die oberseitig mit einer 6,5 mm dicken Furnierschicht aus Naturholz versehen sind. Damit ergibt sich ein komplexer, insgesamt fünfschichtiger Aufbau, der eine hohe Stabilität und Masse gewährleistet. Das Chassis bringt ein Gewicht von 12,5 kg auf die Waage.


Mein Exemplar weist mehrere Beschädigungen auf, und die verwendete Art des Furniers erscheint mir nicht besonders hochwertig. Diese Faktoren veranlassten mich zu einer umfassenden Renovierung, die unter anderem den Austausch des vorhandenen Furniers durch ein neues vorsah.
Der Renovierungsprozess wurde schrittweise durchgeführt. Nach zwei Tagen Arbeit war das neue Furnier bereits fertig verarbeitet und auf das Chassis aufgebracht.



Das Chassis wird gebeizt ,dazu benutze ich die Beize auf Nitroverdünnung Basis .


Anschließend erfolgt die Grundierung des Furniers mit Capon, einem gut penetrierenden Grundierlack. Dieser Auftrag wird dreimal aufgetragen, um eine gleichmäßige Sättigung und optimale Haftung für die nachfolgende Lackierung zu gewährleisten.

Im Anschluss beginnt die arbeitsintensivste Phase der Renovierung, die besonders Geduld und Zeit erfordert. Es werden zahlreiche Schichten des vorgesehenen Lacks aufgetragen – je nach Art des Furniers zwischen 20 und 30 Schichten.
Nach dem Trocknen jeder Schicht wird die Oberfläche vorsichtig mit feinem Schleifpapier (Körnung 1200–1600) geglättet, bevor die nächste Lackschicht aufgetragen wird. Dieses Verfahren gewährleistet eine gleichmäßige, glatte und langlebige Oberfläche.

Die Acrylhaube des BL-1001 ist auf der Rückseite auf soliden Scharnieren gelagert, die später auch bei der DDL-Serie verwendet wurden. Der vordere Teil des Chassis ist mit Anschlägen ausgestattet, wie sie beispielsweise bei den Modellen DD-40/7 oder DD-100 zum Einsatz kommen.


Im Rahmen der Renovierung wurde der BL-1001 mit einem neuen, maßgefertigten Netztransformator ausgestattet, der den Betrieb ohne externen Konverter ermöglicht.
Der Anschluss der Cinch- und GND-Buchsen blieb unverändert erhalten.


Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der BL-1001 ein äußerst seltener Plattenspieler ist, von dem vermutlich nur zwischen 1.000 und 1.500 Exemplare hergestellt wurden.
Technisch betrachtet kann der BL-1001 problemlos mit dem Modell BL-111 sowie mit den unteren Modellen der SX-Serie konkurrieren. In mehreren Kernparametern, wie Lagerpräzision, Resonanzentkopplung, Plattentellergewicht und Tonarmstabilität, übertrifft er diese Geräte sogar. Die Kombination aus schwerem, präzise gefertigtem Plattenteller, starr montierter Resonanzplatte, patentiertem Hybridlager, hochwertigen Schwingungsfüßen und einem massiven fünfschichtigen Chassis macht den BL-1001 zu einem der mechanisch und schwingungstechnisch ausgeklügeltsten Plattenspieler seiner Klasse.

Wie auf dem Bild zu erkennen ist, ist der MA-505 L Tonarm nun mit meinem neuen Headshell vom Typ LAGA TW-2 (Titanium-Wood) ausgestattet. Das Headshell befindet sich derzeit in der Erprobungsphase. Nach Abschluss der Testphase wird eine separate, ausführliche technische Bewertung veröffentlicht.




