Micro Seiki BL-91 ( German )

Einer der bekanntesten Plattenspieler von Micro.

Ich muss zugeben, dass ich sehr lange gezögert habe, einen Artikel über den Micro Seiki BL-91 zu schreiben. Im Internet kursieren jedoch immer mehr Beschreibungen und Meinungen zu diesem Thema, die – wie es im Leben oft der Fall ist – sehr häufig einander widersprechen oder sogar schlichtweg nicht der Wahrheit entsprechen. Deshalb möchte ich im Folgenden versuchen, einige Dinge im Zusammenhang mit diesem Plattenspieler zu erklären oder gegebenenfalls zu korrigieren.


Das Laufwerk kam 1980 auf den Markt und stellte eine echte Revolution dar. Die Produktion wurde 1984 eingestellt. Der Preis in Japan betrug 110.000 JPY, während er in Europa – genauer gesagt in Deutschland 1.600,00 DM lag.

Es wurden zwei Versionen dieses Antriebs angeboten:

  • Micro Seiki BL-91 (kurze Version) – 532 × 440 × 175 mm, Gewicht 16 kg
  • Micro Seiki BL-91L (lange Version, vorgesehen für 12-Zoll-Tonarme) – 602 × 472 × 146 mm, Gewicht 22 kg

Das chassis mit den Abmessungen 532 × 420 × 50 mm und einem Gewicht von 8.2 KG . ist – wie bei den meisten höherklassigen Plattenspielern von Micro Seiki – in einer mehrschichtigen „Sandwich“-Bauweise konstruiert.

In Wirklichkeit widerlegt dies die weit verbreitete Information, dass es sich beim Micro Seiki BL-91 um eine Konstruktion aus Massivholz handelt.

Tatsächlich besteht die Plinthe aus sieben Schichten. Von oben nach unten betrachtet:

  • vier dünne Schichten Massivholz, die praktisch eine Art Sperrholzstruktur bilden,
  • darunter zwei 20-mm-Schichten Spanplatte,
  • getrennt durch ein eingelegtes Bleiblech.

Der Plattenteller mit einem Durchmesser von 310 mm ist im Druckgussverfahren aus Aluminium gefertigt und wiegt 2.950 g.

Als Alternative bot die Tokioter Firma auch den Plattenteller RT-2000G an – eine Bronzeguss-Version mit einem Gewicht von 8.000 g.



Der Plattenspieler ist mit einem sehr interessanten Motor ausgestattet, der vom Konzern Nidec Nihon Servo hergestellt wurde.

Es handelt sich um einen bürstenlosen Gleichstrommotor mit hohem Drehmoment, der über einen Servomechanismus gesteuert wird. Der Motor verfügt über vier Segmente und sechs Spulenanschlüsse.

Der Rotor befindet sich außen, was einen deutlich leisere Lauf sowie sehr stabile Drehzahlen ermöglicht. Der Vorteil dieser Konstruktion liegt darin, dass der Außenrotor wie ein Schwungrad wirkt, wodurch eine sehr stabile Geschwindigkeit erreicht wird. Gleichzeitig bleiben die Abmessungen relativ kompakt, während dennoch eine vergleichsweise hohe Leistung zur Verfügung steht.

Darüber hinaus ist der Motor in einem zusätzlichen Gehäuse gekapselt, was ebenfalls zur Reduzierung von Vibrationen und Geräuschen beiträgt.

Die Konstruktion des Tellerlagers ist im Grunde eine Weiterentwicklung der Hybridlager-Idee, die bereits in Modellen wie dem Micro Seiki BL-1001 oder Micro Seiki BL-101 verwendet wurde.

In diesem Fall ist das gesamte System jedoch noch präziser gefertigt – mit einer Toleranz von nur 0,4 Mikrometern.

Die Lagerachse, hergestellt aus hochwertigem VA Stahl, bewegt sich in einer speziellen Buchse aus Sinterbronze. Die komplette Konstruktion ist in ein spezielles Getriebeöl getaucht, das mikroskopisch feine Bleipartikel enthält.

Diese – wenn man so will – Ölbad-Dämpfungssystem sorgt dafür, dass während der Rotation zwischen den einzelnen Bauteilen eine nahezu kontaktlose Bewegung entsteht und gleichzeitig eine Isolation gegenüber mechanischen Resonanzen erreicht wird.

Zwischen Welle und Buchse bildet sich dabei ein Öl-Blei-Film, der für eine besonders ruhige und stabile Lagerarbeit sorgt.

Der im Micro Seiki BL-91 eingesetzte Transformator war für damalige Verhältnisse ebenfalls eine technische Neuheit im Bereich der Plattenspieler.

Es handelt sich um einen Transformator ohne klassischen Eisenkern. Diese Lösung ermöglicht eine praktisch geräuschlose Arbeitsweise, da kein magnetisches Material vorhanden ist, das in Schwingung geraten könnte.

Bereits ein Jahr zuvor hatten die Ingenieure von Micro Seiki ähnliche Transformatoren in den Modellen Luxman PD-121 und Luxman PD-131 eingesetzt.

Der elektronische Schaltkreis basiert auf einem relativ präzisen Servo-Steuersystem.

Der Bereich der stufenlosen Drehzahlregelung beträgt ±6 % (ein gemeinsames Potentiometer für beide Geschwindigkeiten).

Die Betriebsspannung auf der Steuerplatine liegt bei etwa 12 V.

Diese Lösung wurde im Micro Seiki BL-91 eingesetzt und sorgte für eine stabile und präzise Regelung der Drehzahl.

Der einzige wirkliche Schwachpunkt dieses Plattenspielers sind meiner Meinung nach die Gerätefüße. Die serienmäßig montierten Füße – im Grunde genommen Aluminiumhülsen, in denen sich gummibasierte, pneumatisch wirkende Absorber befinden – lassen qualitativ und funktional einiges zu wünschen übrig.

In dieser Geräteklasse sind Füße ohne jegliche Möglichkeit zur Höhenverstellung eindeutig unzureichend. Eine präzise Nivellierung des Laufwerks gehört schließlich zu den grundlegenden Voraussetzungen für einen optimalen Betrieb eines hochwertigen Plattenspielers.

Vermutlich hat auch der Hersteller selbst dieses Problem erkannt, denn im Katalog von 1981 wurden als optionales Zubehör sehr massiv ausgeführte Gerätefüße der Serie MSB-100 angeboten. Meiner Ansicht nach stellt diese Lösung eine deutlich bessere und technisch sinnvollere Alternative dar.

Das Chassis ist für die Montage von Tonarmbasen der Serie A-1200 oder von ASB-Basen vom Typ A-125 vorbereitet.

Persönlich bevorzuge ich in diesem Fall die Micro Seiki A-125.

Die ASB-Basen (mit beweglichem Kern) haben den großen Vorteil, dass sie sich stufenlos einstellen lassen, während die Serie A-1200 nur eine stufenweise Verstellung ermöglicht. Außerdem muss man bei den ASB-Basen nicht jedes Mal alle sechs Schrauben lösen, um eine Anpassung vorzunehmen.

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, gehört der Micro Seiki BL-91 neben dem Micro Seiki DD-40 zu den bekanntesten Plattenspielern der Tokioter Manufaktur. Diese Bekanntheit ergibt sich vor allem aus zwei wesentlichen Aspekten.

Zum einen unterscheidet sich diese Konstruktion sowohl optisch als auch konzeptionell deutlich von den früheren Projekten des Herstellers. Das markanteste Merkmal ist die Platzierung des Antriebsmotors in der linken unteren Ecke der Zarge. Dessen Gehäuse fungiert gleichzeitig als Bedienpanel für sämtliche Grundfunktionen des Plattenspielers. In dieser Geräteklasse hat Micro Seiki eine derartige Lösung weder zuvor noch später erneut eingesetzt, was den BL-91 auch aus Sicht des Industriedesigns zu einer außergewöhnlichen Konstruktion macht.

Zum anderen wurden bei diesem Dreher eine Reihe für damalige Verhältnisse sehr fortschrittlicher technischer Lösungen umgesetzt. Dies betrifft unter anderem das Antriebssystem, die Konstruktion des Motors, das Präzisionslager des Plattentellers, den Netztransformator sowie den Antriebsriemen. Alle diese Elemente wurden mit dem Ziel entwickelt, eine maximale Drehzahlstabilität, eine Minimierung von Vibrationen sowie ein möglichst niedriges Niveau mechanischer Störgeräusche zu erreichen.

Trotz des fortschreitenden Alters der Konstruktion und der vergleichsweise großen Stückzahl bleibt der Micro Seiki BL-91 bis heute eines der begehrtesten Modelle dieser Marke. Er genießt sowohl bei Anwendern als auch bei Sammlern klassischer Analogtechnik einen hervorragenden Ruf.