Der beste aller Micro Seiki DD Modelle ?

Der Micro DD-100 wurde 1976 auf dem japanischen Markt eingeführt und über einen Zeitraum von rund drei Jahren produziert. Bereits sein Erscheinen sorgte für erhebliches Aufsehen: Einerseits kündigte Micro-Seiki für dieses Modell mehrere technische Neuerungen an, andererseits schockierte der Plattenspieler durch seinen Preis.
Die stolzen 285.000 Yen (entsprechend etwa 4.000 DM) beflügelten Fantasie und Diskussionen gleichermaßen. Zum Vergleich: In Europa war zu diesem Zeitpunkt bereits seit rund zwei Jahren der VW Golf I erhältlich – mit einem Verkaufspreis von etwa 8.800 DM. Dieser Vergleich verdeutlicht eindrucksvoll, in welcher exklusiven Liga sich der DD-100 bereits bei seiner Markteinführung bewegte.



Das Chassis mit den Abmessungen 568 × 450 × 180 mm wurde in aufwendiger „Sandwich“-Technik gefertigt. Drei Lagen Spanplatte, kombiniert mit zwei dazwischenliegenden Bleiblechlagen, ergeben ein Chassisgewicht von rund 12 kg. Diese Konstruktion diente primär der effektiven Resonanzdämpfung und der Erhöhung der strukturellen Steifigkeit.
Das separate Steuermodul mit integrierter Spannungsversorgung (Netzteil) misst 470 × 120 × 92 mm und bringt weitere 5,4 kg auf die Waage.



Der Plattenspieler ist mit einem sehr leistungsstarken Gleichstrommotor ausgestattet, der von JVC Victor in der PLL-OEQ-Technik (Phase-Locked Loop) in der SM-Version gefertigt wurde. Das Motorsteuersystem verfügt über einen Quarzoszillator, der eine permanente und hochpräzise Überwachung der Drehzahl, des Drehmoments sowie der Winkelposition der Motorwelle ermöglicht. Dank dieser präzisen Regelung liegt der Verzerrungswert unter 0,012 WRMS, was außergewöhnlich niedrige Gleichlaufschwankungen und ein extrem stabiles Abspielverhalten garantiert.


In der letzten Produktionsphase wurde ein modifizierter JVC Victor PLL-OEQ-M-922-Motor in der „H“-Version verwendet.


Der Schalter ist in den Liftbetätigungshebel integriert und über ein Zugseil mit dem Lift verbunden.


Das Steuermodul einschließlich der Stromversorgung befindet sich in einem separaten Blechgehäuse und ist über ein Kabel mit Pinstecker mit dem Chassis des Plattenspielers verbunden. Ein leistungsstarker, gekapselter Transformator – mit zwei Sekundärkreisen für Antrieb (39 V / 55 VA) und Steuerung (8,4 V) – stellt ausreichend Energie für den Motor bereit.
Der Plattenspieler bietet zwei Steuerungsmodi:
- Analoge Steuerung: Hier lassen sich die Geschwindigkeiten 33 ⅓, 45 und 78 U/min jeweils separat über ein eigenes Potentiometer feinjustieren.
- Quarzsteuerung: Für eine hochpräzise, konstante Drehzahl.
Beide Steuerungsarten können über einen Schalter an der Vorderseite des Steuermoduls aktiviert werden. Die gesamte Elektronik ist durchdacht aufgebaut und auf zwei übereinander liegenden Platinen untergebracht, direkt neben dem Transformator.




Ähnliche Steuerungs- und Stromversorgungssysteme kamen auch in den Zwillingsmodellen MD-100 und DDL-150 zum Einsatz (dazu wird in anderen Berichten ausführlich berichtet). Das Steuerungssystem des MD-100 entspricht praktisch dem des hier beschriebenen Plattenspielers. Beim DDL-150 gibt es nur geringfügige Unterschiede: Er verfügt lediglich über zwei Geschwindigkeiten (33 ⅓ und 45 U/min), die Einstellung für 78 U/min fehlt.





Kommen wir nun zum Tonarm: Eingesetzt wurde praktisch ein „normaler“ MA-505 L (12 Zoll) in der Mk.I-Version. Außergewöhnlich ist, dass sich an der Basis (Mount) neben dem automatischen VTA-Positionierungsmechanismus und dem Verriegelungshebel (Free-Lock) auch zwei Einstellschalter befinden, über die Impedanz und Kapazität angepasst werden können.
- Impedanz: wählbar zwischen 22, 33 und 58 kΩ
- Kapazität: wählbar zwischen 100, 200 und 300 pF
Kombiniert ergeben diese Einstellungen neun programmierbare Optionen. Zusätzlich verfügt der Tonarm über eine „Direct“-Position, mit der man die Werkseinstellungen wiederherstellen kann – die Standardwerte, wie sie beim MA-505 Mk.I vorgesehen sind.




Der in diesem Plattenspieler verwendete Plattenteller besteht aus einer Zink-Aluminium-Legierung und wurde im Druckgussverfahren gefertigt. Für DD-Laufwerke erreicht er bisher unerreichte Dimensionen: 40 cm Durchmesser bei einem Gewicht von beeindruckenden 5,2 kg. Die Oberfläche hält einer Druckbelastung von bis zu 1.500 kg/cm² stand, was eine außergewöhnlich hohe Stabilität und geringe Verformung unter Last gewährleistet.


Die Haube aus Plexiglas wirkt sehr massiv: Bei einer Wandstärke von 8 mm bringt sie rund 4,5 kg auf die Waage. Dieses hohe Gewicht erfordert besonders stabile Scharniere. Eingebaut sind daher große „Rohr“-Scharniere in der Version BL-91 L.
Bei meinem Exemplar habe ich die Haube durch eine neue Version aus Acrylpolymethylat ersetzt. Dadurch konnte die Materialstärke auf 4 mm reduziert werden, was das Gewicht mehr als halbiert. Die deutlich leichtere Haube ermöglichte zudem den Verzicht auf die sperrigen Rohr-Scharniere zugunsten konventioneller Scharniere vom Typ DDL-60, die unauffälliger und funktional ausreichend sind.




Zusammenfassend gilt der Micro Seiki DD-100 als das technisch anspruchsvollste Modell unter den DD-Plattenspielern von Micro-Seiki. Maßgeblich für diese Einstufung sind zwei Faktoren: Erstens die konsequent auf höchste Präzision ausgelegte Konstruktion – von dem massiven 40 cm-Aluminium/Zink-Druckgussteller über den leistungsstarken PLL-OEQ-Gleichstrommotor mit Quarzsteuerung bis hin zum dynamisch ausbalancierten MA-505 Mk.I-Tonarm mit einstellbarer Impedanz und Kapazität. Zweitens die zahlreichen technischen Neuerungen, die zum Erscheinungszeitpunkt für die Konkurrenz überraschend waren, etwa die modulare Spannungsversorgung, die extrem stabile Chassis-Sandwichkonstruktion und die ausgereifte mechanische Entkopplung.
Zum Preis: Während die Zwillingsmodelle MD-100 und DDL-150 ursprünglich als „nackte“ Laufwerke angeboten wurden, führte die Aufrüstung mit passenden Tonarmen zu vergleichbaren Preissteigerungen. Technisch betrachtet bot der DD-100 jedoch von Haus aus ein vollständig abgestimmtes System, bei dem Antrieb, Teller, Tonarm und Steuerung optimal aufeinander abgestimmt waren – ein Maß an Integrationsqualität, das ihn innerhalb der Micro-DD-Serie an die Spitze stellt.


Man kann mit Sicherheit sagen, dass der DD-100 und seine Zwillingsmodelle bis heute als die Spitzenlaufwerke ihrer Serie gelten. Sie verfügen über die größten und schwersten Chassis, die größten Plattenteller, 12-Zoll-Tonarme, leistungsstärkste Motoren und zählten zu den teuersten Modellen ihrer Zeit. Manche mögen in diesem Zusammenhang sagen: „Groß ist nicht unbedingt gleichbedeutend mit besser“ – doch aus technischer Sicht erlauben Größe und Masse dieser Komponenten eine deutlich höhere mechanische Stabilität, niedrigere Resonanzen und bessere Gleichlaufwerte, was die akustische Performance nachhaltig verbessert.






