Micro Seiki MA-505 (German)

Der Micro Seiki MA‑505 Tonearm gilt unter vielen Analog-Fans als einer der erfolgreicheren Tonarme der späten 1970er und frühen 1980er Jahre. Der gehört zu den am weitesten verbreiteten hochwertigen Tonarmen aus Japan, auch wenn er eher „große Hi-Fi-Serie“ als echte Massenproduktion war.

Technische Daten:

Gesamtlänge: 322 mm (9″) bzw. 372 mm (12″)
Effektive Länge: 237 mm (9″) bzw. 282 mm (12″)
Effektive Masse: 7–8 g bzw. 11 g
Überhang: 15 mm bzw. 12 mm
VTA-Einstellbereich: 42–86 mm
Ausgelegt für Tonabnehmergewichte von: 4–10 g bzw. 12–19 g

Persönlich habe ich zwölf verschiedene Versionen dieses Tonarms identifiziert. Auf eine vollständige Auflistung verzichte ich an dieser Stelle, da entsprechende Übersichten bereits in zahlreichen Internetforen zu finden sind. Mein Anliegen ist vielmehr, auf die teilweise erheblichen konstruktiven Unterschiede zwischen den einzelnen Ausführungen aufmerksam zu machen.

MA-505 (häufig konventionell als Mk. I bezeichnet):
Dies ist die ursprüngliche 9-Zoll-Version des Tonarms. Sie verfügt über eine interne Kupferverkabelung sowie über das spezielle Headshell H-303, das für eine universelle Montage ausgelegt ist. Die Tonarmbasis ist so konstruiert, dass sich die VTA-Einstellung stufenlos und sehr präzise durch Drehen eines Hebels vornehmen lässt ( on the fly ).

-Ma-505 ” L ” wie oben, nur 12 Zoll lange Version . Der Gegengewichtschafft und Lateralgewichtstab sind im Vergleich zu 9 Zoll Version um jeweils 10 mm länger .

-MA-505 X-Version mit einer speziell entwickelten 3-Segment-Kupferverkabelung (die Kupplungskontakte sind mit der Standard-0,06-mm²-Verkabelung verbunden, im Mittelteil wurden zweiadrige abgeschirmte Drähte verwendet, als ob eine aktive Verbindung plus eine Abschirmung für jeden Kanal separat entsteht . Alle drei Teile sind durch Silberlöten verbunden. Als Begründung für diese Lösung erhielt ich Feedback, dass es ein Versuch war die Verkabelung gegenüber dem damals neuen H-505X Headshell zu optimieren. Ob das stimmt kann ich nicht 100% bestätigen, falls jemand von euch zu diesem Thema Info hat, bitte lass es mich wissen.

-MA-505 LX wie oben, nur 12 Zoll Version.

-MA-505S Silberverkabelung. -MA-505 LS 12 Zoll Version plus Silberverkabelung .

-MA-505 Mk.II, diese Variante wird am häufigsten als verbesserte Version des Mk.I angesehen, es geht nur um die universelle Basis dieses Tonarms und einen etwas anderen VTA-Einstellmechanismus ( ähnlich wie die Basen der MAX Serie) . Manchmal wurde auch die Dampfwanne dort montiert)

Es gibt auch die Versionen Mk.II SX und Mk.II LX aus der letzten Produktionszeit. Dies ist eine sehr interessante Variante, bei der in beiden Fällen die AX-Basis verwendet wurde, die auch in den Tonarmen MAX 237 und MAX 282 verwendet wird. Es ist bestimmt ein qualitativer Fortschritt. In diesem Fall die Version M-505 LX Mk.II hat die Gesamtlänge von 375 mm und nicht wie andere “L” Versionen 372 mm.

-MA-505 Mk.III ist eine Version wo man die Tonarmrohre austauschen kann. Das S-förmige Tonarmrohr hat SME Kupplung was ermöglich die einfache Montage von unterschiedlichen Micro Headshells. Ein gerade Tonarmrohr hat einen FIX Headshell vom Typ H-707 oder H-707 X . Der MA-505 Mk.III Tonarm hat kein zusätzliches Lateralgewicht, stattdessen wurde ein spezieller Stabilisierungsring verbaut. Zum Lieferungsumfang gehört auch die Dämpfwanne mit Paddel.

Unten zwei Micro Mk.III links mit AX Mount Base und rechts Mit A-81 Mount Base vorbereitet zum löten an Verbindungsleiste.

Gerade wechselbare Tonarmrohr aus Messing .

Innere Verkabelung für gerade Tonarmrohr inclusive spezielle Balsaführung ( ähnliche Lösung wurde auch in Tonarmrohren MAX Serie verwendet )

Die AX-Basis verfügt leider nicht über den automatischen VTA-Einstellmechanismus. Sie ist jedoch sehr massiv ausgeführt und bringt ein Gewicht von beachtlichen 560 g auf die Waage.

Darüber hinaus gab es auch vereinfachte Versionen dieses Tonarms, die an die Anforderungen bestimmter Laufwerke angepasst waren, beispielsweise für die Modelle DD-6, DD-7, DD-8 und DD-35.

In diesen Fällen wurden die Tonarme meist auf speziellen Basen montiert, bei denen die VTA-Einstellung entweder nicht vorgesehen oder nur eingeschränkt möglich war. Diese Ausführungen verfügen in der Regel weder über einen hydraulisch gedämpften Tonarmlift noch über das seitliche Zusatzgewicht. Die interne Verkabelung entspricht hingegen der Standardausführung des Mk.-I-Modells.

Unten sehen Sie eine besonders interessante Version des Tonarms MA-505 Mk. I „L“ (12 Zoll), die im Plattenspieler Micro DD-100 verbaut wurde. Weitere Informationen zu dieser Variante finden Sie im Kapitel Micro-DD-Serie – DD-100.

Die nächste sehr seltene Version des MA-505 L stammt vom Plattenspieler Micro BL-1001W. Ihr charakteristisches Merkmal ist die Verwendung einer standardmäßigen hydraulischen Tonarmlift-Vorrichtung . Die übrigen Elemente unterscheiden sich in keiner Weise von der Version, die vom Plattenspieler Micro DD-100 bekannt ist.

Auf den nachfolgenden Fotos ist die Version MA-505 „S“ Mk.II aus der späten Produktionsphase zu sehen. Diese Ausführung verfügt über die vom Modell MA-808X übernommene Basis sowie das entsprechende Headshell. Die Dämpfungswanne und das Dämpfungspaddel sind direkt auf Höhe des Hauptlagers montiert. Als Stabilisator kommt in dieser Version das Zusatzgewicht AST-08 zum Einsatz.

Nach Ansicht vieler Liebhaber der Marke handelt es sich hierbei um eine der ausgereiftesten und technisch am besten gelungenen Varianten des Tonarms MA-505.

Nun ein wenig zur dynamischen Ausbalancierung des MA-505:

Das System besteht aus drei Elementen. Das Ausgleichsgewicht dient ausschließlich dazu, den Tonarm statisch auf den Grundwert „0“ auszubalancieren. In diesem Zustand befindet sich der Arm im vollständigen Gleichgewicht, d. h. es wirkt kein Auflagedruck auf die Nadel. Entsprechend steht auch der Drehknopf für die dynamische Balance in der Grundposition „0“.

Die eigentliche Einstellung der Auflagekraft erfolgt über eine Feder, die sich im Inneren des Gegengewichtstiftes befindet. Diese Feder ist über einen Einstellmechanismus mittels eines Titan-Wolfram-Fadens verbunden. Die Ausbalancierung wirkt dabei sowohl in der vertikalen als auch in der horizontalen Ebene.

Durch Drehen des Knopfes für die dynamische Balance wird der gewünschte Auflagedruck entsprechend dem verwendeten Tonabnehmer eingestellt. In der Praxis kann dieser Wert sogar während des Abspielens – also bei aufliegender Nadel – feinjustiert und korrigiert werden.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie im Abschnitt: Micro – dynamisch ausbalancierte Tonarme – MA-707.

Die Anti-Skating-Einstellung erfolgt gewissermaßen automatisch. Mit dem zweiten Drehknopf wird die Einstellung je nach Nadelschliff gewählt:
Die rote Markierung ist für elliptische Nadeln vorgesehen, während die blaue Markierung für stärker „eingreifende“ Schliffe gedacht ist. Bei extrem scharfen Schliffen, etwa Gyger 80, kann es jedoch zu Einstellungsproblemen kommen. Liebhaber des Shibata-Schliffs können hingegen beruhigt sein – mit diesem Nadelschliff funktioniert die Einstellung in der Praxis sehr gut.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass der Micro-Seiki MA-505 eine konstruktiv sehr ausgereifte Tonarmlösung darstellt. Die große Zahl produzierter Exemplare sowie die Vielzahl unterschiedlicher Varianten sprechen für die technische Relevanz und die breite praktische Einsetzbarkeit dieses Tonarms.

Die Kombination aus präziser kardanischer Lagerung, dynamischer Auflagekrafteinstellung, variabler effektiver Masse und umfangreichen Justagemöglichkeiten ermöglicht die Anpassung an eine große Bandbreite von Tonabnehmern unterschiedlicher Compliance und Bauart.

Diese konstruktiven Eigenschaften , verbunden mit der hohen Fertigungspräzision der Micro-Seiki-Ingenieure , führten zu einem Tonarmkonzept, das auch aus heutiger Sicht als technisch durchdacht und langfristig praxistauglich gelten kann.

Seltene Version MA-505 Mk.II mit AX Basis