Micro Seiki MD-7 (German)

Ein seltener Plattenspieler: Die MD-Serie und das Modell MD-7

Diesmal möchte ich einen Plattenspieler vorstellen, der selbst auf dem japanischen Markt als echte Rarität gilt. Es handelt sich um ein Gerät aus der MD-Serie, einer Produktlinie, die von Beginn an für anspruchsvolle Musikliebhaber konzipiert wurde – insbesondere für jene, die ihre Hi-Fi-Anlage nicht „von der Stange“ kaufen, sondern individuell zusammenstellen möchten.

Die Idee hinter der MD-Serie

Die Philosophie der MD-Serie unterschied sich deutlich von der herkömmlichen Herangehensweise der damaligen Hersteller. Während viele Marken komplette, spielfertige Systeme anboten, setzte die MD-Serie bewusst auf Modularität und Individualität. Das Ziel war es, den Kunden die Freiheit zu geben, jedes Detail ihres Wiedergabesystems selbst zu bestimmen – angefangen beim Tonarm über die Verkabelung bis hin zur Wahl des Tonabnehmers.

Das MD-700 – Der Anfang einer neuen Denkweise

Eines der ersten Modelle dieser Serie war das MD-700-Laufwerk. Auf den ersten Blick wirkte es wie ein gewöhnliches Laufwerk, doch seine Markteinführung stellte einen kleinen Wendepunkt in der Firmengeschichte dar. Zum ersten Mal wurde ein Plattenspieler ohne montierten Tonarm angeboten. Der Käufer erhielt also nur das reine Laufwerk – ein massives, vibrationsarmes Chassis mit präzisem Antriebssystem, aber ohne jegliche vormontierte Abspielkomponenten.

Diese Entscheidung war mutig, denn sie setzte technisches Verständnis und Experimentierfreude beim Kunden voraus. Gleichzeitig eröffnete sie ganz neue Möglichkeiten: Der Nutzer konnte den Tonarm, die Basis, das Gegengewicht und sogar die Verkabelung nach eigenen klanglichen Vorlieben auswählen. So wurde jedes MD-700-System zu einem echten Unikat.

Der MD-7 – Noch einen Schritt weiter

Mit dem MD-7, trieb der Hersteller das Konzept der Individualisierung auf die Spitze. Hier beschränkte man sich nicht mehr nur auf die Wahl des Tonarms – die Kunden wurden eingeladen, ihren Plattenspieler von Grund auf selbst zu konfigurieren.





Auf den ersten Blick erinnert das Laufwerksmodul des MD-7 stark an das des bekannteren DD-40 – allerdings nur äußerlich. Das Gehäuse, in dem Motor und Elektronik untergebracht sind, besitzt nahezu dieselben Abmessungen wie beim DD-40 und besteht ebenfalls aus robustem Aluminiumguss. Diese massive Konstruktion sorgt für hervorragende Stabilität und minimiert unerwünschte Resonanzen – ein typisches Merkmal japanischer Ingenieurskunst jener Zeit.

Auch der Plattenteller scheint zunächst identisch zu sein, was den Eindruck einer engen Verwandtschaft zwischen beiden Modellen noch verstärkt. Doch bei genauerem Hinsehen wird deutlich, dass die Ähnlichkeiten hier bereits ende.





Während das DD-40 mit einem integrierten Transformator und einem MKX-15 AH Motor ausgestattet ist, geht der MD-7 einen völlig anderen Weg. Er verzichtet auf den Transformator und setzt stattdessen auf ein leistungsfähiges Konverter-System, das auf einer Kombination aus Kondensatoren und Gleichrichterbrücken basiert.

Mein Eigenbau: Der Micro Seiki MD-7 aus meiner Sammlung

Da Micro Seiki wollte, dass die Kunden ihre Geräte nach eigenen Vorstellungen gestalten und aufbauen, habe auch ich dieses Konzept aufgegriffen – und meinen MD-7 selbst gebaut.

Das Chassis meines Exemplars ist in massiver Sandwich-Bauweise gefertigt. Es besteht aus zwei Schichten MDF-Platten, zwischen denen sich eine Mittellage aus Leim Holz befindet. Diese Konstruktion sorgt für hohe Steifigkeit, gute Resonanzdämpfung und ein solides Fundament für das Laufwerk.

Die Abmessungen betragen 650 mm × 410 mm × 52 mm, also deutlich großzügiger als bei vielen Serienmodellen. Die Oberfläche ist mit echtem Mahagoni-Furnier versehen und in hochglänzendem Klavierlack ausgeführt – ein klassisch-edles Finish, das perfekt zum Designkonzept der 1980er-Jahre passt.

Das Laufwerk selbst ist mit zwei Tonarmen ausgestattet. Auf der rechten Seite befindet sich ein Micro Seiki MA-505, kombiniert mit einem Headshell H-303.

Auf der linken Seite meines MD-7 ist ein SME-Tonarm montiert, den ich eigenhändig auf eine Länge von 12 Zoll umgebaut habe. Der Tonarm verwendet ein Carbon-Tonarmrohr, das für hohe Steifigkeit bei gleichzeitig sehr geringem Gewicht sorgt.

An der Tonarmspitze befindet sich eine Mini-Sony-Schnellkupplung, bestückt mit einem SH-151-Headshell, was den schnellen Wechsel von Tonabnehmern ermöglicht, ohne jedes Mal die Justage vollständig neu vornehmen zu müssen.

Um die Massekonzentration am Drehpunkt zu optimieren, habe ich das Gegengewicht unterhalb der Symmetrieachse positioniert. Diese Maßnahme senkt den Schwerpunkt des Tonarms, verbessert die Stabilität bei der Nachführung und reduziert das Risiko von seitlichen Schwingungen – insbesondere bei leichten oder sehr empfindlichen Tonabnehmersystemen.









Der Hauptschalter mit Geschwindigkeitseinstellung ist – wie auf den Bildern zu sehen – klassisch auf der rechten Seite des Laufwerks platziert. Diese Anordnung entspricht der typischen Gestaltung vieler Micro-Seiki-Modelle und sorgt für eine ergonomische Bedienung.





Bei einem so großen und massiven Chassis entschied ich mich zusätzlich, in der unteren linken Ecke einen 230-V-/100-V-Transformator (20 VA) zu integrieren. Dadurch bin ich von der Verwendung eines externen Konverters (100 V → 230 V) vollständig unabhängig. Diese Lösung sorgt nicht nur für eine saubere und stabile Stromversorgung, sondern trägt auch zu einer aufgeräumten und praxisgerechten Gesamtkonstruktion bei.

Als Standfüße kommen MTB-8-Beine zum Einsatz – die gleichen, die auch bei den Modellen der BL-51–77-Serie verwendet wurden. Sie bestehen aus hochwertigem Kunststoff und bieten eine Höhenverstellung von etwa 20 mm, wodurch sich das Laufwerk präzise waagerecht ausrichten lässt.

Zusätzlich habe ich die Füße mit selbst konstruierten Membranabsorbern ausgestattet (siehe Beschreibung zur BL-51–77-Serie). Diese sorgen für eine effektive Entkopplung des Laufwerks vom Untergrund und reduzieren Trittschall sowie feine Vibrationen spürbar.

Die Haube besteht aus 4 mm starkem, gegossenem Acryl und ist auf zwei robusten Scharnieren montiert – denselben, die Micro Seiki auch bei der BL- und DD-Serie einsetzte. Dadurch bleibt das klassische Erscheinungsbild gewahrt, während das stabile Acrylmaterial den empfindlichen Tonarmen und dem Plattenteller zuverlässigen Schutz bietet.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Micro Seiki MD-7 – wie ich bereits erwähnt habe – ein außerordentlich gutes Laufwerk ist und gleichzeitig ein fantastisches Angebot für ambitionierte Heimwerker darstellt. Er richtet sich an all jene, die Freude daran haben, ihren Plattenspieler selbst zu gestalten und zu optimieren, um sich damit den Traum eines einzigartigen, individuell gefertigten Laufwerks zu erfüllen.

Rein technisch ordne ich den MD-7 deutlich über dem DD-40 ein. Seine modulare Bauweise, die hochwertigen Komponenten und die Möglichkeit zur individuellen Anpassung machen ihn zu einem der interessantesten und vielseitigsten Laufwerke, die Micro Seiki entwickelt hat.

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